Werkstatt für Photographie 1976–1986

Das rebellische Bild
Museum Folkwang, Essen
9.12.2016 – 19.2.2017

Berlin – Kreuzberg
C/O Berlin
10.12.2016 – 12.2.2017

Und plötzlich diese Weite
Sprengel Museum Hannover
11.12.2016 – 19.3.2017


Anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Werkstatt für Photographie präsentieren das Museum Folkwang, Essen, C/O Berlin und das Sprengel Museum Hannover ein gemeinsames Ausstellungsprojekt, das die Werkstatt als konkreten Kristallisationspunkt untersucht, aber auch als einen möglichen metaphorischen Ort für den Aufbruch der Fotografie ab Mitte der 1970er-Jahre versteht. In dem dreiteiligen Ausstellungsprojekt wird erstmals und in einer städteübergreifenden Kooperation von der Geschichte, den Einflüssen und Auswirkungen der von dem Berliner Fotografen Michael Schmidt 1976 an der Volkshochschule Kreuzberg gegründeten Werkstatt für Photographie berichtet. Mitten im Kalten Krieg initiiert die Werkstatt eine künstlerische „Luftbrücke“ zu den USA, ein demokratisches Experimentierfeld jenseits traditioneller Ausbildung und politisch-institutioneller Vorgaben. Aus dem Dialog zwischen anerkannten Fotografen und Amateuren, zwischen technischer Vermittlung und inhaltlicher Kritik und auf der Grundlage dokumentarischer Ansätze entsteht eine spezielle künstlerische Haltung, die durch ihren spezifischen Zugang zur Wirklichkeit über lange Zeit stilprägend sein wird. Die Werkstatt für Photographie, die bis 1986 existiert, erlangt mit intensiver Vermittlungsarbeit durch Ausstellungen, Workshops und spezialisierten Kursen internationales Niveau und initiiert in Europa einen transatlantischen Dialog in der Fotografie. In etwa zeitgleich findet in Westdeutschland eine Etablierung jener Infrastrukturen statt, die die Emanzipation der Fotografie als Kunstform vorbereiten und begleiten. Dazu gehören die Gründungen der ersten Fotogalerien Anfang der 1970er-Jahre, die documenta 6 von 1977, und die Etablierung von Zeitschriften. Nach dem Tod des einflussreichen Lehrers Otto Steinert übernimmt Michael Schmidt 1979/80 einen Lehrauftrag an der Universität-Gesamthochschule Essen. Dort stellen die jungen Fotografen Fragen nach neuen Formen des Dokumentarischen sowie nach authentischen Bildern und Haltungen. Sie formulieren einen forschenden, subjektiven Blick und entdecken die Farbe als künstlerische Ausdrucksmöglichkeit. Es ist der Beginn eines weiteren, nun innerdeutschen Brückenschlags von Berlin nach Essen und zurück. Das Ausstellungsprojekt formuliert eine multiperspektivische Erzählung dieser Form der deutschen Fotografie der 1970er- und 1980er-Jahre, ihrer internationalen Beziehungen, ihrer Akteure und Netzwerke, und ergänzt so die Geschichtsschreibung um ein weiteres, bislang weitgehend unbeachtetes Kapitel.

Michael Schmidt ist in diesem dreiteiligen Ausstellungsprojekt mit Auszügen aus den Werkgruppen „Berlin-Wedding“, „Berlin-Kreuzberg. Stadtbilder“ und „Waffenruhe“ vertreten.

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